Website-Wartung: was wirklich gepflegt werden muss – und was passiert, wenn nicht
Kurz gesagt: Website-Wartung umfasst fünf Dinge, die regelmäßig und nicht nur bei Problemen passieren müssen: Updates von System, Erweiterungen und Vorlagen, geprüfte Sicherungen an einem zweiten Ort, ein Blick auf Sicherheit und Zugänge, eine kurze Funktionsprüfung der Formulare und Ladezeiten sowie die inhaltliche Pflege von Öffnungszeiten, Preisen und Ansprechpartnern. Bei einer WordPress-Seite sind das im Normalfall ein bis zwei Stunden im Monat. Ungepflegte Seiten fallen selten mit einem Knall aus – sie verlieren leise Anfragen, weil ein Formular seit Wochen keine Mails mehr verschickt oder eine veraltete Erweiterung die Seite ausbremst.
Was Website-Wartung tatsächlich umfasst
Der häufigste Denkfehler ist, eine Website wie ein Möbelstück zu behandeln: einmal gekauft, steht sie da. Tatsächlich ist sie Software, die auf einem Server läuft, mit einer Datenbank spricht und ein Dutzend Erweiterungen von fremden Herstellern benutzt. All das entwickelt sich weiter, unabhängig davon, ob du gerade Zeit hast.
Zur Wartung gehören deshalb erstens die Updates: das Redaktionssystem selbst, die Vorlage und jede installierte Erweiterung. Zweitens die Sicherungen, und zwar automatisch, täglich oder wöchentlich, und an einem Ort, der nicht derselbe Server ist. Drittens die Sicherheit: Wer hat noch einen Zugang, sind die Passwörter aktuell, läuft das Zertifikat weiter, tauchen auffällige Anmeldeversuche auf.
Viertens die Funktionsprüfung. Einmal im Monat ein Testdurchlauf: Kontaktformular abschicken und prüfen, ob die Mail wirklich ankommt, Telefonnummer am Handy antippen, Terminbuchung durchklicken, Ladezeit messen. Fünftens die Inhalte: Öffnungszeiten nach Feiertagen, ausgeschiedene Mitarbeiter, alte Preise, tote Links zu Partnerseiten, das Jahr im Impressum.
Was nicht dazugehört, obwohl es oft mitverkauft wird, sind neue Unterseiten, Umbauten am Design oder Suchmaschinenoptimierung. Das sind Projekte, keine Wartung. Wenn beides in einem Pauschalpreis verschwimmt, weiß am Ende niemand mehr, wofür das Geld eigentlich fließt.
Was passiert, wenn niemand wartet
Der stille Ausfall ist der teuerste Fall. Ein Formular, dessen Versand nach einem Update nicht mehr funktioniert, beschwert sich nicht. Es nimmt Eingaben entgegen, zeigt sogar eine Danke-Meldung und schickt nichts weiter. Der Interessent glaubt, er hat angefragt, und wundert sich über die fehlende Antwort. Solche Fälle laufen erfahrungsgemäß wochenlang, bis jemand zufällig selbst testet.
Der zweite Fall ist die schleichende Verlangsamung. Über Jahre sammeln sich Erweiterungen an, von denen die Hälfte niemand mehr braucht, dazu eine wachsende Datenbank und unkomprimierte Bilder. Die Seite wird nicht von heute auf morgen langsam, sondern jeden Monat ein bisschen mehr – und Geschwindigkeit ist einer der wenigen technischen Faktoren, bei dem sich Besucherverhalten und Suchmaschinenbewertung tatsächlich treffen.
Der dritte Fall ist der Einbruch über eine bekannte Lücke. Angriffe auf verbreitete Systeme laufen automatisiert: Ein Programm klopft jede erreichbare Seite auf veraltete Versionen ab. Wer eine Erweiterung ein halbes Jahr nicht aktualisiert hat, wird nicht persönlich ausgesucht, sondern eingesammelt. Das Ergebnis sind meistens keine dramatischen Schlagzeilen, sondern versteckte Werbelinks im Quelltext, eine Warnung im Browser und ein Absturz in der Suche, der Monate braucht, bis er repariert ist.
Und dann gibt es die Variante, die kein technisches Problem ist, aber genauso Geld kostet: Auf der Seite stehen noch die Leistungen von vor drei Jahren, eine Nummer, die niemand mehr abhört, und ein Team, das so nicht mehr existiert. Ob deine Seite in dieser Hinsicht aktuell ist, siehst du schneller von außen als von innen – einen Startpunkt dafür gibt der kostenlose Sichtbarkeits-Check.
WordPress-Wartung: der monatliche Ablauf
Weil die meisten kleinen Betriebe auf WordPress sitzen, hier der konkrete Ablauf, den ich für eine WordPress-Wartung empfehle. Er dauert bei einer normalen Unternehmensseite unter einer Stunde, wenn nichts dazwischenkommt.
Zuerst eine vollständige Sicherung anlegen und prüfen, dass sie wirklich geschrieben wurde. Erst danach aktualisieren. Wer die Reihenfolge dreht, hat im Problemfall genau das nicht, was er bräuchte. Dann die Updates einspielen, danach die Seite mit eigenen Augen ansehen: Startseite, eine Leistungsseite, das Kontaktformular, die Ansicht auf dem Handy. Automatische Updates ohne anschließenden Blick sind der Grund, warum Fehler so lange unentdeckt bleiben.
Anschließend den Testdurchlauf: eine echte Anfrage über das Formular abschicken und im Postfach nachsehen. Danach ein kurzer Blick in die Liste der installierten Erweiterungen – alles, was seit über einem Jahr keine Aktualisierung vom Hersteller bekommen hat oder gar nicht mehr genutzt wird, kommt auf die Streichliste. Zum Schluss die Benutzerkonten durchgehen und alte Zugänge entfernen, etwa vom Praktikanten oder der Agentur davor.
Wichtig ist die Testumgebung, sobald deine Seite Umsatz bringt. Große Versionssprünge spielst du dort zuerst ein und überträgst sie erst nach der Prüfung. Das ist der Unterschied zwischen einem kurzen Ärgernis und einem Tag, an dem deine Seite nicht erreichbar ist. Wie eine sauber gebaute Seite technisch aussieht, beschreibe ich unter Webdesign.
Wartungsvertrag oder selbst machen – und was das kostet
Selbst machen ist möglich, wenn drei Dinge stimmen: Du hast einen festen Termin im Kalender, du weißt, wie du eine Sicherung zurückspielst, und du hast jemanden, den du anrufen kannst, wenn nach einem Update ein weißer Bildschirm erscheint. Fehlt einer der drei Punkte, ist ein Wartungsvertrag günstiger als die Stunden, die ein Notfall kostet.
Preislich bewegen sich seriöse Angebote für kleine Unternehmensseiten meist zwischen 30 und 100 Euro im Monat, bei Seiten mit Buchung, Shop oder mehreren Sprachen entsprechend höher. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern was schriftlich drinsteht: Wie oft wird aktualisiert, wo liegen die Sicherungen und wie lange, wird das Zurückspielen getestet, welche Reaktionszeit gilt bei einem Ausfall, wie viele Stunden für kleine Inhaltsänderungen sind enthalten – und wem gehören Zugänge und Daten, wenn ihr euch trennt.
Die letzte Frage ist die wichtigste. Ein Wartungsvertrag, der dich von deinen eigenen Zugangsdaten fernhält, ist kein Service, sondern eine Fessel. Du solltest jederzeit an Hosting, Domain und Redaktionssystem herankommen, auch wenn du die Arbeit abgibst. Wenn du unsicher bist, wie dein aktueller Vertrag zu bewerten ist, sieh dir an, welche Leistungen ich anbiete, und vergleiche Punkt für Punkt.
Häufige Fragen
Wie oft muss eine Website gewartet werden?
Sicherheitsupdates sollten innerhalb weniger Tage eingespielt werden, alles andere passt gut in einen monatlichen Rhythmus. Für eine normale Unternehmensseite reicht ein fester Termin im Monat plus automatische Sicherungen dazwischen. Seiten mit Shop, Buchungssystem oder vielen Erweiterungen brauchen einen Blick alle zwei Wochen, weil dort mehr Teile gleichzeitig in Bewegung sind.
Reichen automatische Updates nicht aus?
Für kleine Sicherheitsupdates ja, für alles andere nein. Automatische Updates lösen das Einspielen, aber nicht die Prüfung: Ob das Kontaktformular danach noch Mails verschickt oder die Darstellung auf dem Handy verrutscht ist, merkt kein Automatismus. Die Kombination aus automatischen Sicherheitsupdates und einem monatlichen menschlichen Blick ist in der Praxis die beste Lösung.
Was kostet es, eine lange vernachlässigte Website wieder flottzumachen?
Das hängt davon ab, wie groß der Versionssprung ist. Bei einer Seite, die zwei Jahre stillstand, sind meist drei bis acht Stunden nötig: Sicherung, schrittweise Updates in einer Testumgebung, Aufräumen alter Erweiterungen und ein vollständiger Funktionstest. Deutlich teurer wird es nur, wenn die Vorlage so veraltet ist, dass sie mit aktuellen Versionen nicht mehr zusammenarbeitet – dann ist die ehrliche Antwort oft ein Neuaufbau statt einer Reparatur.


