Website-Relaunch: wann er sich wirklich lohnt – und wann nicht

Kurz gesagt: Ein Website-Relaunch ist der grundlegende Neuaufbau einer bestehenden Website – neue Struktur, neue Technik, neue Texte – im Unterschied zur reinen Überarbeitung einzelner Seiten. Er lohnt sich, wenn die Website nachweislich Anfragen verliert: weil sie auf dem Handy nicht funktioniert, weil niemand sie über Google oder KI-Suchen findet, weil die Technik veraltet ist oder weil das Angebot von heute in der Struktur von vor zehn Jahren nicht mehr abbildbar ist. Er lohnt sich nicht, wenn der einzige Grund lautet: „Gefällt mir nicht mehr.“ Optik allein bringt keine Anfragen.

Die fünf Gründe, die einen Relaunch tatsächlich rechtfertigen

Bevor du Geld in die Hand nimmst, prüfe, welcher dieser Punkte auf dich zutrifft. Trifft keiner zu, brauchst du wahrscheinlich keinen Relaunch, sondern eine gezielte Überarbeitung.

  • Mobil unbrauchbar. Sieben von zehn Besuchern kommen vom Handy. Wenn dort zoomen nötig ist, Buttons zu klein sind oder das Formular nicht abschickt, verlierst du täglich Anfragen – und zwar bevor jemand deinen Text liest.
  • Unsichtbar in der Suche. Wenn du außer nach deinem Firmennamen zu keinem einzigen relevanten Begriff auf Seite eins stehst und in ChatGPT oder Google-KI-Antworten nicht vorkommst, liegt das fast immer an Struktur und Inhalten – also an Dingen, die ein Relaunch löst.
  • Technisch abgehängt. Ein nicht mehr gepflegtes System, Ladezeiten über vier Sekunden, kein Sicherheitszertifikat, ein Baukasten, den niemand mehr weiterentwickelt: Das sind harte Gründe, weil sie sich nicht durch Textänderungen beheben lassen.
  • Das Angebot passt nicht mehr. Du machst heute Dinge, die es beim letzten Aufbau noch nicht gab, oder du hast eine Zielgruppe dazugewonnen. Wenn neue Leistungen nur noch als Unterpunkt Nummer sieben irgendwo hineinpassen, ist die Struktur am Ende.
  • Rechtliche Lücken. Fehlende Barrierefreiheit, unsauberes Cookie-Banner, veraltete Datenschutzhinweise – einzeln flickbar, in Summe oft ein Anlass, es gleich richtig zu machen.

Auffällig ist, was hier nicht steht: „Die Konkurrenz hat eine neue Seite“ und „wir hatten sie schon fünf Jahre“. Alter allein ist kein Argument. Eine sechs Jahre alte Website, die schnell lädt, mobil funktioniert und gefunden wird, ist besser als eine neue, die das nicht tut.

Der teuerste Fehler: schöner, aber nicht besser

Der klassische Relaunch läuft so ab: Die Optik wird modernisiert, die Bilder werden größer, die Startseite bekommt ein Video – und die alten Texte werden hinüberkopiert, weil dafür am Ende die Zeit fehlt. Nach dem Start sieht alles frisch aus, und die Zahl der Anfragen bleibt exakt gleich.

Der Grund: Anfragen entstehen nicht durch Gestaltung, sondern durch drei Dinge, die im Designprozess gerne untergehen. Erstens muss überhaupt jemand auf die Seite kommen – das ist eine Frage von Sichtbarkeit in Google und in KI-Antworten. Zweitens muss der Besucher innerhalb weniger Sekunden verstehen, ob er hier richtig ist. Drittens muss der nächste Schritt so einfach sein, dass er ihn tatsächlich geht. Ein Relaunch, der diese drei Punkte nicht ausdrücklich zum Ziel hat, ist eine Renovierung, kein Investment.

Deshalb gehört an den Anfang eines Relaunchs kein Entwurf, sondern eine Bestandsaufnahme: Welche Seiten bringen heute Besucher? Zu welchen Begriffen wirst du gefunden? Wo brechen Besucher ab? Wo kommen die tatsächlichen Anfragen her? Wer das nicht weiß, baut im Dunkeln um – und schaltet dabei nicht selten genau die Seiten ab, die funktioniert haben. Einen ersten Überblick über deinen Stand bekommst du im kostenlosen Sichtbarkeits-Check.

Was du unbedingt mitnehmen musst

Ein Relaunch ist keine Neugründung. Aus der alten Website gibt es Substanz, die dir gehört und die du nicht wegwerfen darfst:

Die Adressen. Jede alte URL, die Besucher oder Verlinkungen hat, braucht eine feste Weiterleitung auf ihre neue Entsprechung. Das ist der mit Abstand häufigste Grund, warum Sichtbarkeit nach einem Relaunch einbricht – und der am einfachsten vermeidbare.

Die Inhalte, die funktionieren. Fast jede Website hat zwei oder drei Unterseiten, die den Großteil der Besucher aus Google holen. Die werden nicht „frisch gedacht“, sondern behutsam verbessert – gleiche Kernaussage, besser lesbar, aktuelle Zahlen.

Bewertungen, Referenzen, Bilder. Echte Kundenstimmen und eigene Fotos sind das, was Vertrauen erzeugt. Stockbilder ersetzen das nicht, egal wie hochwertig sie wirken.

Das Google-Unternehmensprofil. Nach dem Start prüfen, ob die hinterlegten Links noch stimmen – ein Detail, das regelmäßig vergessen wird und direkt Anfragen kostet.

Ablauf, Dauer und was es kostet

Ein sauberer Relaunch für einen kleineren Betrieb dauert in der Regel sechs bis zwölf Wochen. Der Ablauf hat sich in dieser Reihenfolge bewährt: Bestandsaufnahme und Ziele, Struktur und Seitenplan, Texte, Gestaltung, technische Umsetzung, Weiterleitungsplan, Start, Nachkontrolle. Wer mit der Gestaltung beginnt, arbeitet doppelt.

Die Kosten hängen fast vollständig am Umfang der Inhalte, nicht an der Technik: Eine Website mit acht durchdachten Seiten inklusive neuer Texte und Fotos liegt in einer anderen Größenordnung als eine mit vierzig. Realistisch bewegen sich Relaunches für kleine und mittlere Betriebe im mittleren vierstelligen bis unteren fünfstelligen Bereich – und der größte Kostentreiber ist erfahrungsgemäß nicht die Umsetzung, sondern die Frage, wer die Texte schreibt.

Der wichtigste Termin liegt übrigens nach dem Start: vier Wochen später noch einmal in die Zahlen schauen. Sind die Weiterleitungen vollständig? Werden die alten Top-Seiten weiter gefunden? Kommen Anfragen an? Ein Relaunch ohne diese Nachkontrolle ist ein halbes Projekt. Wie ich das Ganze in der Praxis begleite, steht unter Website-Relaunch, einen Überblick über die einzelnen Bausteine findest du unter Leistungen.

Häufige Fragen

Wie oft sollte man einen Website-Relaunch machen?

Es gibt kein festes Intervall. In der Praxis liegen zwischen zwei Relaunches meist fünf bis acht Jahre, aber ausschlaggebend ist nicht das Alter, sondern ob die Website ihre Aufgabe noch erfüllt. Wer laufend pflegt – Inhalte aktualisiert, Technik updatet, neue Leistungen sauber einbaut – schiebt den nächsten Relaunch deutlich nach hinten und fährt insgesamt günstiger.

Verliere ich beim Relaunch meine Google-Rankings?

Nur, wenn die Vorarbeit fehlt. Verluste entstehen praktisch immer durch dieselben drei Ursachen: fehlende oder falsche Weiterleitungen von alten auf neue Adressen, gelöschte Inhalte, die vorher Besucher gebracht haben, und eine Testversion, die versehentlich für Suchmaschinen gesperrt bleibt. Wer das vorher plant und nachher kontrolliert, sieht meist nur eine kurze Delle von wenigen Wochen.

Relaunch oder komplett neue Website – was ist der Unterschied?

Beim Relaunch bleibt die Domain bestehen und du nimmst die vorhandene Substanz mit: Adressen, funktionierende Inhalte, Verlinkungen von anderen Seiten. Bei einer wirklich neuen Website unter neuer Domain fängst du in der Suche bei null an – das kostet oft ein Jahr Sichtbarkeit. Deshalb ist ein Domainwechsel nur bei einer echten Umfirmierung oder Namensänderung sinnvoll, nicht aus gestalterischen Gründen.